Hypertrophe Narben und Keloide
Wenn nach der Wundheilung Rötung, Erhabenheit und Verhärtung auftreten, wird dies medizinisch häufig den pathologischen Narben zugeordnet; dazu gehören vor allem hypertrophe Narben und Keloide.
Beide hängen mit einer überschießenden Hautreparatur und einer übermäßigen Ablagerung von Kollagen zusammen. Beide können auch das Aussehen beeinträchtigen und sogar Juckreiz, Schmerzen oder ein Zuggefühl verursachen.
Hypertrophe Narben bleiben in der Regel auf den ursprünglichen Wundbereich beschränkt und können mit der Zeit allmählich flacher und weicher werden. Keloide überschreiten eher den ursprünglichen Verletzungsbereich, breiten sich in die umgebende normale Haut aus und haben zudem ein höheres Rückfallrisiko.
Wenn beide bei Diagnose oder Behandlung miteinander verwechselt werden, kann dies die Wahl des Behandlungsplans beeinflussen und sogar das Rückfallrisiko erhöhen.
Hypertrophe Narben
Eine hypertrophe Narbe ist eine Narbe, die durch eine zu starke lokale Reparaturreaktion während der Wundheilung entsteht. Häufige Merkmale sind: eine erhabene, gerötete und verhärtete Narbe; bei manchen Menschen treten zusätzlich Juckreiz, stechende Schmerzen, ein Brennen oder ein Spannungsgefühl auf.
Hypertrophe Narben entstehen normalerweise innerhalb des ursprünglichen Wundbereichs. Ist ein chirurgischer Schnitt zum Beispiel eine Linie, verdickt sich die hypertrophe Narbe meist entlang dieses Schnitts; befindet sich eine Brand- oder Verbrühungswunde in einem bestimmten Areal, konzentriert sich auch die hypertrophe Narbe hauptsächlich auf das ursprüngliche Wundareal.
Hypertrophe Narben treten häufig nach Operationen, Verbrennungen, Verbrühungen, Verletzungen oder infizierten Wunden auf, besonders leicht an Stellen mit höherer Hautspannung, etwa an der vorderen Brust, den Schultern, den Oberarmen und in Gelenknähe. Jugendliche und junge Erwachsene haben eine starke Gewebereparaturfähigkeit und aktive Fibroblasten, daher ist auch die Wahrscheinlichkeit für hypertrophe Narben relativ höher.
Hypertrophe Narben werden oft einige Wochen bis mehrere Monate nach der Wundheilung allmählich deutlich. Früh sind sie eher rot, von fester Konsistenz und deutlich erhaben. Mit der Zeit treten manche hypertrophe Narben in eine Reifungsphase ein: Die Farbe wird blasser, die Konsistenz weicher, die Dicke nimmt ab, und Juckreiz sowie Schmerzen lassen nach. Dieser Prozess kann ein halbes Jahr bis über ein Jahr dauern.
Keloide
Ein Keloid ist eine hartnäckigere Form der pathologischen Narbe mit gutartig tumorähnlichen Wachstumseigenschaften. Typisch ist, dass es den ursprünglichen Wundbereich überschreitet, sich in die umgebende normale Haut ausbreitet und ein anhaltendes, knoten- bzw. tumorartiges Wachstum zeigt.
Ein Keloid kann als kleiner harter Knoten beginnen und allmählich größer und dicker werden, wobei sich seine Ränder nach außen ausdehnen. Die Form kann rund, oval, knotig oder flächig sein; sie kann auch ein krabbenklauenähnliches Aussehen annehmen. Die Oberfläche ist häufig glänzend, die Konsistenz eher fest, und manchmal bestehen ausgeprägter Juckreiz, Schmerzen, stechende Schmerzen oder ein Zuggefühl.
Keloide treten häufig an Ohrläppchen, Unterkieferbereich, Hals, vorderer Brust, Schultern und Rücken sowie Oberarmen auf. Ohrlochstechen, Akne, leichte Verletzungen, chirurgische Schnitte, Verbrennungen und Verbrühungen können Keloide auslösen. Sie stehen in engem Zusammenhang mit individueller Veranlagung, genetischen Faktoren, Hautfarbe, lokaler Entzündung und Hautspannung. Menschen mit dunklerer Haut, Asiaten, Schwarze Menschen und Personen mit familiärer Vorgeschichte haben ein relativ höheres Risiko.
Kernunterschied: Überschreitet die Narbe den ursprünglichen Wundbereich?
Das anschaulichste Kriterium zur Unterscheidung zwischen hypertrophen Narben und Keloiden ist die Beobachtung, ob die Narbe die ursprüngliche Wundgrenze überschreitet.
Hypertrophe Narben sind im Allgemeinen auf den ursprünglichen Verletzungsbereich beschränkt. So lang und breit die Wunde ursprünglich war, in diesem Bereich wird die Narbe meist rot, dicker und härter. Sie kann deutlich erhaben sein, dringt aber normalerweise nicht deutlich in die umgebende normale Haut ein.
Keloide überschreiten den ursprünglichen Verletzungsbereich, bestehen länger und neigen deutlicher zu Rückfällen. Wenn aus einem ursprünglich kleinen Nadelstich, einem Ohrloch, einem Pickel oder einem kleinen Schnitt später ein harter Knoten entsteht, der deutlich größer ist als der ursprüngliche Verletzungsbereich, passt dies eher zu den Merkmalen eines Keloids.
Wenn zum Beispiel nach der Heilung eines Kaiserschnitts die gesamte Schnittlinie gerötet, verhärtet und leicht erhaben ist und der Bereich im Wesentlichen dem ursprünglichen Schnittverlauf folgt, entspricht dies eher einer hypertrophen Narbe. Wenn sich nach dem Stechen eines Ohrlochs am Ohrläppchen allmählich ein kugeliger harter Knoten bildet und weiter größer wird, entspricht dies eher einem Keloid.
Unterschiedliche Wachstumstendenzen
Hypertrophe Narben haben häufig einen relativ klaren Entwicklungsverlauf. Früh ist die Vermehrung deutlich, in der mittleren Phase tendieren sie zur Stabilisierung, und später können sie allmählich ausreifen. Nach der Reifung wird eine hypertrophe Narbe heller, weniger hart und dünner, und die Beschwerden nehmen ab.
Das Wachstum von Keloiden ist schwerer vorherzusagen. Ein Keloid kann lange bestehen bleiben oder nach Reibung, Kratzen, Infektion, erneuter Operation oder lokaler entzündlicher Reizung weiter größer werden. Manche Keloide bilden sich über viele Jahre nicht zurück, und auch nach einer Behandlung besteht weiterhin ein Rückfallrisiko.
Dies ist auch ein wichtiger Unterschied bei der Therapieentscheidung. Bei hypertrophen Narben liegt der Schwerpunkt der Behandlung darauf, das überschießende Wachstum zu hemmen und die Reifung zu fördern. Bei Keloiden muss außerdem besonders auf die Vorbeugung von Rückfällen geachtet werden; eine einfache Entfernung allein ist in der Regel mit einem höheren Risiko verbunden.
Die bevorzugten Körperstellen unterscheiden sich
Hypertrophe Narben können in vielen Bereichen der Wundheilung auftreten, besonders an Stellen mit hoher Spannung, viel Bewegung oder langsamer Heilung. Häufige Stellen sind Operationsschnitte an Brust und Bauch, Verletzungen an den Gliedmaßen, Bereiche in Gelenknähe und Brandwunden.
Keloide zeigen eine deutlichere Bevorzugung bestimmter Körperstellen. Ohrläppchen, vordere Brust, Schulter- und Rückenbereich, Unterkieferregion, Hals und Oberarme sind Bereiche mit hoher Häufigkeit. Eine kugelige Narbe nach einem Ohrloch, ein strangförmiger harter Knoten nach Akne auf der Brust oder eine erhabene Schwellung nach einer Verletzung an Schulter oder Rücken sollten alle an ein Keloid denken lassen.
An Augenlidern, Handflächen und Fußsohlen sowie Schleimhäuten treten Keloide seltener auf. Bei der klinischen Beurteilung analysieren Ärztinnen und Ärzte in der Regel Körperstelle, Form, Krankengeschichte und Entwicklungsgeschwindigkeit zusammen.
Aussehen und Tastbefund unterscheiden sich
Die Form einer hypertrophen Narbe stimmt gewöhnlich relativ gut mit der ursprünglichen Wunde überein. Nach einem Operationsschnitt ist sie meist linien- oder strangförmig, nach einer Verbrennung eher flächig. In der Frühphase ist die Farbe eher rot oder dunkelrot, die Oberfläche kann glänzen, und beim Tasten fühlt sie sich hart an. Mit zunehmender Reifung können sich Farbe und Härte allmählich bessern.
Ein Keloid ähnelt eher einem lokalen Knoten oder einer lokalen Schwellung. Es kann rund, oval, knotig, unregelmäßig flächig sein oder sich krabbenklauenartig ausbreiten. Die Ränder können sich manchmal in die Umgebung ausdehnen, die Konsistenz ist häufig recht hart, und die Oberfläche ist glatt und glänzend. Ein Keloid am Ohrläppchen fühlt sich oft wie eine harte Kugel an, während ein Keloid an der Brust als quer verlaufende strangförmige oder flächig erhabene Veränderung erscheinen kann.
Beide können Juckreiz und Schmerzen verursachen. Die Beschwerden bei Keloiden sind oft anhaltender; bei Reibung, Druck, Kratzen oder Klimaänderungen können Stechen, Juckreiz und Schmerzen stärker werden.
Die Ursachen unterscheiden sich
Beide hängen mit einer überschießenden Wundreparatur zusammen. Nach einer Hautverletzung startet der Körper eine Entzündungsreaktion; Fibroblasten wandern in die Wunde ein und bilden Kollagen und extrazelluläre Matrix. Eine angemessene Menge Kollagen hilft beim Wundverschluss; lagert sich zu viel Kollagen ab, entsteht eine erhabene, verhärtete Narbe.
Hypertrophe Narben werden häufiger durch lokale Faktoren beeinflusst. Wundinfektionen, verbliebene Fremdkörper, zu hohe Nahtspannung, unzureichende Anpassung der Wundränder, wiederholte Reibung, tiefere Verbrennungen und eine zu lange Heilungsdauer können das Risiko eines überschießenden Wachstums erhöhen.
Keloide stehen stärker mit der individuellen Veranlagung in Zusammenhang. Genetische Neigung, dunklere Haut, eine familiäre Vorgeschichte und eine starke lokale Entzündungsreaktion können dazu führen, dass sich aus einer leichten Verletzung ein deutliches Keloid entwickelt.
Die Behandlungsmethoden unterscheiden sich
Die Hauptziele der Behandlung hypertropher Narben bestehen darin, Rötung, Härte, Verdickung, Juckreiz und Schmerzen zu verringern und die Narbenreifung zu fördern. Häufig eingesetzte Methoden sind Silikongel, Silikonpflaster, Drucktherapie, spannungsreduzierende Pflege, Laserbehandlung, Medikamenteninjektionen und operative Narbenkorrektur. Eine frühe Intervention lässt sich in der Regel leichter kontrollieren.
Bei der Behandlung von Keloiden liegt der Schwerpunkt stärker auf Kombinationstherapie und Rückfallkontrolle. Eine einfache operative Entfernung hat ein relativ hohes Rückfallrisiko, weil die Operation eine neue Wunde erzeugt, die das Narbenwachstum erneut anregen kann. In der klinischen Praxis werden je nach konkreter Situation Operationen in Kombination mit Strahlentherapie, Steroidinjektionen, Silikontherapie, Laserbehandlung, Kryotherapie oder kombinierter medikamentöser Behandlung eingesetzt.
Was sollte bei der täglichen Pflege beachtet werden?
Die frühe Wundpflege beeinflusst das endgültige Erscheinungsbild der Narbe. Die Wunde sauber zu halten, Infektionen zu vermeiden, Zugspannung zu reduzieren und wiederholte Reibung zu vermeiden, sind wichtige Maßnahmen zur Verringerung pathologischer Narbenbildung.
Nachdem sich auf einer Wunde Schorf gebildet hat, sollte man nicht wiederholt daran kratzen oder ihn abpulen. Akne sollte nicht ausgedrückt werden, besonders nicht an Stellen, an denen Keloide häufig auftreten, wie Brust, Unterkieferregion, Schultern und Rücken. Bei Operationsschnitten sollten Verbandswechsel, Fadenzug und Nachkontrollen nach ärztlicher Anweisung erfolgen. Bei Wunden an beweglichen Körperstellen können unter ärztlicher Anleitung Zugentlastungspflaster oder andere Maßnahmen zur Zugentlastung eingesetzt werden.
Nach dem Wundverschluss sollte auf Sonnenschutz geachtet werden. Ultraviolette Strahlung kann Pigmentierung verstärken und die Narbe dunkler erscheinen lassen. Bei Narben, die zu überschießendem Wachstum neigen, können unter ärztlicher Anleitung Silikongel, Silikonpflaster oder eine Drucktherapie eingesetzt werden.
Menschen mit eigener Vorgeschichte oder Familienanamnese von Keloiden sollten bei Ohrlöchern, Tätowierungen, Piercings und nicht notwendigen kosmetischen Hautbehandlungen vorsichtig sein. Wenn eine neue Hautverletzung entsteht, wird eine frühzeitigere professionelle Versorgung empfohlen.
Wie kann man eine erste Selbsteinschätzung vornehmen?
Eine erste Einschätzung kann anhand mehrerer Aspekte erfolgen:
Ob die Narbe über die ursprüngliche Wunde hinausgeht Bleibt sie auf die ursprüngliche Wunde begrenzt, passt dies eher zu einer hypertrophen Narbe; überschreitet sie die ursprüngliche Wunde und breitet sich nach außen aus, passt dies eher zu einem Keloid.
Ob sie kontinuierlich größer wird Eine Narbe, die sich allmählich stabilisiert, weicher wird und abflacht, spricht eher für eine hypertrophe Narbe; eine Narbe, die über längere Zeit größer wird oder wiederholt aktiv aufflammt, spricht eher für ein Keloid.
An welcher Stelle sie auftritt Wenn an Stellen wie Ohrläppchen, vorderer Brust, Schultern und Rücken, Unterkieferregion oder Oberarm eine harte, knotenartige Wucherung auftritt, sollte besonders an ein Keloid gedacht werden.
Ob es in der Familie ähnliche Fälle gibt Wenn mehrere Familienmitglieder leicht Keloide entwickeln, ist das persönliche Risiko erhöht.
Ob sie nach einer Entfernung erneut auftritt Wenn sie nach einer Entfernung erneut wächst oder sogar größer wird als zuvor, ist die Wahrscheinlichkeit eines Keloids höher.
Diese Einschätzungen dienen nur als Orientierung. Die endgültige Beurteilung muss weiterhin durch eine Ärztin oder einen Arzt erfolgen, unter Berücksichtigung von Krankengeschichte, Aussehen, Tastbefund, Entwicklungsverlauf und Ansprechen auf die Behandlung.
Wann sollte man möglichst früh ärztliche Hilfe suchen?
Wenn eine Narbe nur leicht gerötet ist, allmählich verblasst und keine deutlichen Beschwerden verursacht, kann sie zunächst beobachtet und richtig gepflegt werden.
In folgenden Situationen wird empfohlen, möglichst früh eine plastisch-chirurgische Abteilung oder eine Narbensprechstunde aufzusuchen: Die Narbe wird anhaltend dicker, härter oder größer; es bestehen deutlicher Juckreiz, Schmerzen oder stechende Beschwerden; sie überschreitet die ursprüngliche Wundgrenze; sie liegt an einer Hochrisikostelle wie Ohrläppchen, vorderer Brust, Schultern oder Rücken; sie beeinträchtigt die Gelenkbeweglichkeit; sie beeinträchtigt das Aussehen exponierter Bereiche wie Gesicht oder Hals; nach einer Operation hebt sich die Narbe rasch an; oder nach einer Verbrennung bildet sich eine großflächige hypertrophe Narbe.
Literatur
- Neue Narbenkunde, herausgegeben von Huiyuan Li, Kaihua Lu und Shuzhong Guo, Verlag der Vierten Militaermedizinischen Universitaet.