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Narbenwissen

Narbentypen erkennen und Behandlungsprinzipien verstehen

Fachärztlich geprüfte Patienteninformation

Narbentypen erkennen und Behandlungsprinzipien verstehen

Narben sind das Ergebnis der Hautreparatur nach einer Verletzung. Operationen, Verbrennungen, Verbrühungen, äußere Verletzungen, Akne, Infektionen, Tierbisse und andere Ursachen können Narben hinterlassen. Verschiedene Narben unterscheiden sich in Aussehen, Entwicklungsverlauf, Behandlungsschwierigkeit und Rückfallrisiko. Erst wenn der Narbentyp bestimmt ist, können geeignete Pflege- und Behandlungsmaßnahmen ausgewählt werden.

In der klinischen Praxis werden Narben häufig nach ihrer Form und ihrer funktionellen Auswirkung eingeteilt, zum Beispiel in hypertrophe Narben, atrophe Narben, Kontrakturnarben, oberflächliche Narben, eingesunkene Narben, lineare Narben, schwimmhautartige Narben, brückenartige Narben und andere.

Für Laien ist die praktischste Einteilung, auf vier Punkte zu achten: ob die Narbe erhaben ist, ob sie eingesunken ist, ob sie Zug oder Verformung verursacht und ob sie über den ursprünglichen Wundbereich hinausgeht.

Oberflächliche Narben: hauptsächlich Farbveränderung, mit nur leichten Texturveränderungen

Oberflächliche Narben entstehen meist nach oberflächlichen Hautverletzungen, etwa nach leichten Abschürfungen, oberflächlichen Verbrühungen oder Pigmentveränderungen nach leichter Entzündung. Das Hauptmerkmal ist eine örtliche Farbveränderung; die Stelle kann gerötet, dunkel oder hell erscheinen. Die Hautoberfläche kann etwas rau oder leicht glänzend sein, ist aber in der Regel weder deutlich erhaben noch deutlich eingesunken.

Diese Art von Narbe beeinträchtigt die Funktion kaum und betrifft vor allem das Aussehen. In der frühen Phase ist Sonnenschutz wichtig, um eine Verstärkung der Hyperpigmentierung zu vermeiden. Nach Wundschluss können unter ärztlicher Anleitung Silikongel, feuchtigkeitsspendende und hautreparierende Produkte oder Behandlungen zur Aufhellung von Pigmentflecken eingesetzt werden. Die meisten oberflächlichen Narben verblassen mit der Zeit allmählich.

Das Behandlungsprinzip besteht vor allem in konservativer Pflege. Im Mittelpunkt stehen die Verringerung von Reizungen, Entzündungskontrolle, Sonnenschutz und das Abwarten der natürlichen Erholung. Wenn die Hyperpigmentierung anhaltend deutlich ist, können licht- oder laserbasierte Behandlungen, chemische Peelings oder äußerlich anzuwendende Medikamente erwogen werden; dafür muss eine Ärztin oder ein Arzt jedoch Hautfarbe, Lokalisation und Hautempfindlichkeit beurteilen.

Lineare Narben: am häufigsten nach Operationsschnitten

Lineare Narben treten häufig nach Operationsschnitten, Schnittverletzungen und genähten Wunden auf. Im Idealfall erscheinen sie als feine Linie, deren Farbe sich allmählich der umgebenden Haut annähert, mit flacher und weicher Beschaffenheit. Zu den Faktoren, die das Aussehen einer linearen Narbe beeinflussen, gehören Schnittrichtung, Nahttechnik, Wundspannung, Infektionssituation, individuelle Veranlagung und postoperative Pflege.

Wenn der Schnitt ungefähr in Richtung der Hautspannungslinien verläuft, ist die Narbe meist feiner. Liegt der Schnitt in Bereichen mit stärkerer Spannung, etwa an der vorderen Brust, an Schultern und Rücken oder in Gelenknähe, kann die Narbe breiter und dicker werden oder sich sogar zu einer hypertrophen Narbe entwickeln.

Die frühe Pflege linearer Narben konzentriert sich auf Spannungsentlastung und Sonnenschutz. Nach Wundschluss können spannungsreduzierende Pflaster, Silikonpflaster oder Silikongel verwendet werden, um anhaltenden Zug zu vermindern. Bei bereits verbreiterten linearen Narben können nach Stabilisierung der Narbe eine präzise operative Narbenkorrektur, Laserbehandlung oder kombinierte Behandlung erwogen werden.

Hypertrophe Narben: erhabene Narben, die auf den ursprünglichen Wundbereich begrenzt sind

Hypertrophe Narben sind häufige pathologische Narben. Sie treten meist einige Wochen bis Monate nach der Wundheilung auf und zeigen sich durch Rötung, Erhabenheit, Verhärtung, Juckreiz, Schmerzen oder Spannungsgefühl. Ein wichtiges Merkmal ist, dass sie in der Regel auf den ursprünglichen Wundbereich begrenzt bleiben.

Hypertrophe Narben treten häufig nach Verbrennungen, Verbrühungen, Operationsschnitten, Verletzungen und infizierten Wunden auf. Sie entstehen außerdem leichter in Bereichen mit größerer Spannung, etwa an der vorderen Brust, an den Schultern, Oberarmen und in Gelenknähe. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die Gewebereparatur besonders aktiv, daher ist das Risiko höher.

Das Behandlungsprinzip besteht darin, überschießendes Wachstum früh zu kontrollieren und die Narbenreifung zu fördern. Häufig verwendete Methoden sind Silikongel, Silikonpflaster, Drucktherapie, spannungsreduzierende Pflege, Laserbehandlung und Medikamenteninjektionen in die Narbe. Wenn die Narbe bereits stabil ist, aber Aussehen oder Funktion deutlich beeinträchtigt, kann eine operative Korrektur erwogen werden. Nach einfacher Entfernung können hypertrophe Narben dennoch erneut überschießend wachsen; daher werden nach der Operation meist Spannungsentlastung, Silikonbehandlung, Drucktherapie oder licht- beziehungsweise laserbasierte Behandlungen ergänzt.

Keloide: hartnäckige Narben, die über den ursprünglichen Wundbereich hinausgehen

Keloide sind eine hartnäckigere Form pathologischer Narben. Typisch ist, dass sie über den ursprünglichen Verletzungsbereich hinausgehen und sich in die umgebende normale Haut ausbreiten, mit tumorartigem, knotigem, strangförmigem oder scherenklauenartigem Wachstum. Sie gehen häufig mit deutlichem Juckreiz, stechenden Schmerzen, Druck- oder Spannungsschmerzen und Zuggefühl einher und können sich nach Reibung, Kratzen oder entzündlicher Reizung weiter vergrößern.

Häufige Stellen für Keloide sind Ohrläppchen, Unterkieferbereich, vordere Brust, Schultern und Rücken sowie Oberarme. Ohrlochstechen, Akne, leichte Verletzungen, Operationen und Verbrennungen können sie auslösen. Sie stehen in engem Zusammenhang mit genetischer Veranlagung, Hautfarbe, lokaler Entzündung, Hautspannung und individueller Konstitution.

Das Behandlungsprinzip besteht in kombinierter Behandlung und Rückfallvorbeugung. Eine alleinige operative Entfernung hat ein hohes Rückfallrisiko, weil der neue Schnitt selbst erneut überschießendes Narbenwachstum auslösen kann. In der klinischen Praxis wird die Behandlung häufig je nach Lokalisation und Größe gewählt, darunter Kortikosteroidinjektionen, Operation kombiniert mit Strahlentherapie, Silikonbehandlung, Laser, Kryotherapie oder medikamentöse Kombinationstherapie. Auch die Behandlungsstrategien für Keloide am Ohrläppchen und an der vorderen Brust unterscheiden sich und müssen individuell geplant werden.

Atrophe Narben: die Haut wird dünner und liegt unter dem Niveau der umgebenden Haut

Atrophe Narben zeigen sich durch eine örtlich ausgedünnte Haut, geringe Elastizität, eine weißliche oder glänzende Farbe und eine Oberfläche, die tiefer liegt als die umgebende Haut. Sie treten häufig nach Akne, Windpocken, Verletzungen, Infektionen oder lang anhaltenden Entzündungen auf. Aknenarben in Form von Grübchen sind ein typisches Beispiel für atrophe Narben.

Die Entstehung atropher Narben hängt mit einem Verlust von Kollagen in der Dermis und einer Atrophie des Unterhautgewebes zusammen. Meist verursachen sie keinen deutlichen Juckreiz oder Schmerz, können aber die Hautoberfläche uneben machen, besonders im Gesicht, wo sie das Erscheinungsbild deutlich beeinträchtigen können.

Das Behandlungsprinzip besteht darin, die Kollagenneubildung anzuregen und Hautvertiefungen sowie die Hautstruktur zu verbessern. Häufige Methoden sind fraktionierte Laserbehandlung, Radiofrequenz-Microneedling, Microneedling, Subzision, Fillerbehandlung, chemisches Peeling sowie operative Entfernung mit Nahtverschluss. Je nach Typ der Aknegrübchen unterscheiden sich die Behandlungsverfahren. Ice-pick-, Boxcar- und Rolling-Aknenarben erfordern unterschiedliche Behandlungskonzepte, und in der Regel sind mehrere Sitzungen notwendig.

Eingezogene Narben: Vertiefungen durch örtlichen Gewebeverlust

Eingezogene Narben überschneiden sich mit atrophen Narben, betonen jedoch stärker den örtlichen Gewebeverlust. Nach Verletzungen, Infektionen, operativer Entfernung, tiefer Akne oder dem Aufbrechen eines Abszesses können Vertiefungen zurückbleiben. Kennzeichnend ist eine örtliche Einsenkung; die Ränder können klar begrenzt oder unregelmäßig sein.

Leichte Vertiefungen können mit Laser, Radiofrequenz, Microneedling und ähnlichen Verfahren behandelt werden, um die Kollagenreparatur anzuregen. Tiefere Vertiefungen können Füllmaterialien, Eigenfetttransplantation, subkutane Lösung oder operative Korrektur erfordern. Wenn am Grund der Vertiefung Verwachsungen bestehen, ist eine reine Oberflächenbehandlung nur begrenzt wirksam; dann muss zunächst der tiefe Zug behandelt werden.

Das Behandlungsprinzip besteht darin, die Methode nach Tiefe und Ausmaß der Verwachsung auszuwählen. Bei oberflächlichen Vertiefungen steht die Anregung der Regeneration im Vordergrund, bei tiefen Vertiefungen die Lösung von Verwachsungen und der Ausgleich des Gewebevolumens.

Kontrakturnarben: Narben, die an der Haut ziehen und die Funktion beeinträchtigen

Kontrakturnarben treten häufig nach tiefen Verbrennungen, Verbrühungen, schweren Verletzungen und großflächigen Hautdefekten auf. Das Hauptproblem ist die Schrumpfung der Narbe, die an umgebender Haut, Sehnen oder Gelenken zieht und zu Bewegungseinschränkung, Fehlstellung oder Funktionsstörung führt.

Häufige Erscheinungen sind: Finger lassen sich nicht vollständig strecken, die Beweglichkeit von Ellenbogen- oder Kniegelenk ist eingeschränkt, das Drehen des Halses fällt schwer, Mundwinkel oder Augenlid werden verzogen, oder Narben in der Achselhöhle beeinträchtigen das Anheben des Arms. Bei Kindern können Kontrakturnarben außerdem Wachstum und Entwicklung beeinflussen.

Das Behandlungsprinzip lautet: Funktion hat Vorrang. Frühzeitig sollten Drucktherapie, Schienen- oder Orthesenversorgung, Rehabilitationstraining, Dehnübungen und Hautpflege beachtet werden. Wenn sich bereits eine deutliche Kontraktur gebildet hat, ist häufig eine operative Lösung erforderlich, kombiniert mit Rekonstruktionsverfahren wie Hauttransplantation, Lappenplastik oder Gewebeexpansion. Auch die Rehabilitation nach der Operation ist entscheidend; sonst kann die Kontraktur erneut auftreten.

Schwimmhautartige Narben: Zugbänder zwischen Hautfalten

Schwimmhautartige Narben treten häufig in Bereichen wie Fingerzwischenräumen, Achselhöhle, Hals, Ellenbeuge, Kniekehle und Mundwinkeln auf. Sie verbinden die Haut beider Seiten wie eine Schwimmhaut und schränken das lokale Aufspannen und die Bewegung ein. Sie sind nach Verbrennungen relativ häufig, können aber auch nach Verletzungen oder Operationen vorkommen.

Ihr Hauptproblem sind Zugwirkung und funktionelle Einschränkung. Eine schwimmhautartige Narbe zwischen den Fingern kann zum Beispiel das Spreizen der Finger beeinträchtigen, eine solche Narbe in der Achselhöhle die Abduktion des Arms, und eine am Hals das Anheben des Kopfes und das Drehen des Halses.

Das Behandlungsprinzip besteht vor allem darin, den Zug zu lösen und den Bewegungsumfang wiederherzustellen. Bei leichten Formen können Rehabilitationstraining, Schienen oder Orthesen und Drucktherapie eingesetzt werden. Ausgeprägte schwimmhautartige Narben erfordern meist eine operative Lösung; zur Wiederherstellung der Hautform können Z-Plastik, lokale Lappenplastiken oder Hauttransplantationen verwendet werden. Auch nach der Operation sind kontinuierliche Rehabilitation und Maßnahmen zur Rezidivprophylaxe erforderlich.

Brückenförmige Narben: Narben, die wie eine Brücke über die Hautoberfläche verlaufen

Brückenförmige Narben finden sich häufiger bei schlechter Wundheilung, Infektion, unregelmäßigen Hautdefekten oder abnormen Narbenverwachsungen. Dabei spannt sich Narbengewebe wie eine Brücke über die Hautoberfläche; in der Mitte können eine Vertiefung, eine Furche oder unregelmäßiger Zug bestehen.

Diese Narben beeinträchtigen häufig das Aussehen und können außerdem Schmutz zurückhalten, wiederholt reiben oder aufbrechen. Liegen sie in Gelenknähe, können sie auch die Bewegung beeinträchtigen.

Das Behandlungsprinzip besteht meist in einer operativen Narbenkorrektur. Je nach Lage und Länge der Narbe sowie nach Zustand der umgebenden Haut wählt die Ärztin oder der Arzt eine Entfernung, erneute Naht, lokale Lappenplastik oder ein anderes Rekonstruktionsverfahren. Nach der Operation sind außerdem Zugentlastung, Silikon, Drucktherapie und Sonnenschutz erforderlich.

Pigmentierte Narben: Die Farbveränderung ist auffälliger als die Form

Pigmentnarben umfassen Hyperpigmentierung und Hypopigmentierung. Eine Hyperpigmentierung zeigt sich als dunkle oder bräunliche Narbe und tritt häufig nach Entzündungen, Akne, Verbrennungen oder Verbrühungen sowie nach Sonneneinwirkung auf. Eine Hypopigmentierung zeigt sich als örtliche Aufhellung und kommt häufig nach tiefen Verletzungen, nach Kryotherapie oder nach einer Schädigung der Melanozyten der Haut vor.

Das Behandlungsprinzip bei Pigmentnarben besteht darin, zunächst die Entzündung zu stabilisieren und anschließend die Farbe zu verbessern. Früher Sonnenschutz ist sehr wichtig. Bei Hyperpigmentierung können äußerlich angewendete aufhellende Medikamente, apparative licht- oder energiebasierte Verfahren, chemische Peelings und weitere Maßnahmen erwogen werden. Hypopigmentierung ist schwieriger zu behandeln; je nach Situation können Phototherapie, Epidermistransplantation oder kaschierende Behandlungen in Betracht gezogen werden.

Allgemeine Grundsätze der Narbenbehandlung

Für die Narbenbehandlung gibt es kein einheitliches Standardschema. Die Entscheidung muss umfassend nach Narbentyp, Lokalisation, Größe, Verlauf, Symptomen, Hautfarbe, Alter, körperlicher Veranlagung und persönlichen Bedürfnissen getroffen werden.

Frühe Narben: Schwerpunkt auf der Vorbeugung von überschießendem Wachstum Nach dem Wundverschluss sollten bei Rötung, Verhärtung oder Juckreiz möglichst frühzeitig Zugentlastung, Silikon, Sonnenschutz und Kontrolluntersuchungen erfolgen.

Erhabene Narben: Schwerpunkt auf der Kontrolle übermäßiger Kollagenablagerung Hypertrophe Narben und Keloide erfordern häufig Silikon, Drucktherapie, Injektionen, Laserbehandlung oder Kombinationstherapien.

Eingesunkene Narben: Schwerpunkt auf der Anregung der Regeneration und dem Auffüllen von Volumen Aknenarben mit Grübchen und eingesunkene Narben werden häufig mit Laser, Microneedling, Radiofrequenz, Fillern, Subzision und anderen Verfahren behandelt.

Kontrakturnarben: Schwerpunkt auf der Wiederherstellung der Funktion Wenn Gelenke, Gesichtszüge oder die Beweglichkeit der Gliedmaßen beeinträchtigt sind, sollten operative und rehabilitative Behandlungen möglichst frühzeitig beurteilt werden.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung.

Literatur

  1. Neue Narbenkunde, herausgegeben von Huiyuan Li, Kaihua Lu und Shuzhong Guo, Verlag der Vierten Militaermedizinischen Universitaet.